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Unzensiert: Becker dankt und kritisiert den DTB (04.06.2009)

 
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Martin Luther Faustballs



Anmeldungsdatum: 13.06.2009
Beiträge: 12

BeitragVerfasst am: Mi Jun 17, 2009 10:28    Titel: Unzensiert: Becker dankt und kritisiert den DTB (04.06.2009) Antworten mit Zitat

�Ich glaube, dass ich alles richtig gemacht habe�

Martin Becker zu seiner DTB-Ehrung, seiner Zeit im Nationalteam und dem Phantom �Martin Luther des Faustballs�

Frankfurt (DFBL/aei). Eigentlich wollte er in der offenen Klasse mit dem TV Eibach beim Turnfest mitspielen. Doch berufliche Gründe ließen nur den Kurzbesuch zum Empfang der DTB-Ehrenmedaille zu. Nach hektischer Anreise stand der �große Braune� dann pünktlich und im ungewohnt feinen Zwirn im Kaisersaal des Frankfurter Rathauses. DFBL-Medienbeauftragte Andreas Einbock sprach anschließend mit dem Faustball-Idol.

Herzlichen Glückwunsch zu dieser Auszeichnung. Wie sehr waren Sie von dieser Auszeichnung vom Deutschen Turner-Bund überrascht?
Ziemlich. Rechnen konnte ich damit ja nicht. Der DTB ist ja bezüglich Faustball in vielen Dingen eher zurückhaltend und sparsam. Erst im April habe ich die Information bekommen, dass ich geehrt werden soll.

Welchen Stellenwert hat diese Anerkennung?
Klar ist das eine tolle Sache für einen alten Knochen wie mich. Ich sehe, dass aber alles gelassen. Meine aktive Zeit ist ja doch ein paar Tage vorbei. Dennoch freue ich mich darüber, schließlich zeige ich schon seit 1985 Flagge für Deutschland.

Das ist eine ziemlich lange Zeit. Wie hat sich denn ihr Einsatz für Deutschland und dem Dachverband DTB ausgezahlt?
Tja, da hat sich nicht wirklich etwas ausgezahlt. Zuwendungen gab es wenige. Nur in meiner Anfangszeit wurden wir von 1990 bis 1994 durch die Sportförderung unterstützt. Damals bekamen als Nationalspieler 90 Mark pro Monat. Das war aber auch an WM- und EM-Erfolge geknüpft. Zum Glück gab es in dieser Zeit � was wieder einmal typisch für Faustball war � aus Rücksicht auf die Fußball- und Handball-WM gleich drei Faustball-Weltmeisterschaften.

Sie hatten eine bewegte Karriere in der Faustball-Nationalmannschaft. Erst Rücktritt, vier Jahre Pause und dann das Comeback zur WM 2007. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?
Nun, das ist etwas heikel. 2003 bin ich wegen � wie man so schön sagt � unüberbrückbarer Differenzen mit dem Differenzen mit dem damaligen Bundestrainer Udo Schulz zurückgetreten. Da war das Kapitel eigentlich rigoros beendet. Zur Weltmeisterschaft 2007 kamen die Verantwortlichen auf mich zu. Ich hätte mich niemals von selbst angeboten. Vor allem aber holte mich der neue Bundestrainer zurück. Der Druck der Heim-WM war damals ziemlich groß, vor allem im Bereich der Angaben gab es Defizite.

Bei dieser Heim-WM machten Sie einen fitten Eindruck, zumindest waren Sie maßgeblich am dritten Platz beteiligt. Wie haben Sie das körperlich geschafft?
Es war doppeltes Glück im Unglück: Damals war ich arbeitslos war und hatte somit viel Zeit zur intensiven Vorbereitung hatte. Auch mein Familienrat gab grünes Licht, obwohl ich ja gerade zum zweiten Mal Papa geworden bin. Dann habe ich mich einen Trainingsplan erstellt. Den ich mit Ausdauer- und Kraftübungen jeden Tag durchgezogen habe, um fit für den ersten Lehrgang zu werden.

Wie haben Sie dieses WM-Turnier im eigenen Land erlebt?
Der Druck war natürlich enorm groß. Dem konnten wir als Team nie richtig standhalten. Besonders gegen unseren Erzrivalen Österreich verliere ich ungern. Doch im Spiel um Platz drei haben wir dann Bogen geschafft und etwas an dieses phantastische Publikum zurückgeben können. Dieses Spiel gegen die Schweiz vor 11.000 Zuschauern werde ich nie vergessen. Das geile Gefühl habe ich in mir aufgesaugt und behalte es für immer.

Und warum haben Sie dann nicht einfach weitergemacht?
Nein, nein. Dafür bin ich nicht der richtige Typ. Ich habe gleich von mir aus direkt nach dem Spiel gesagt �das war�s�. Bevor noch jemand auf mich zukommt, wollte ich gleich mit diesem Gefühl aufhören. Das Alte muss weichen, damit etwas Neues entstehen kann. Ich glaube schon, dass ich alles richtig gemacht habe.

Wie sieht ihre Faustball-Zeit heute aus?
Ich spiele noch gelegentlich bei den Männer 35 beim TV Eibach in der Bayernliga. So etwa fünf, sechs Turnier pro Jahr, aber keine Punktspiele. Blöd nur, dass das Technische Komitee Faustball die Bayerische Meisterschaft M35 abgeschafft hat. Auch ein erneuter Antrag dazu wurde abgelehnt. Dadurch steigen einige Faustballer gleich ganz aus.

Apropos Kritik: Seit Montag ruft ein Faustball-Phantom namens �Martin Luther des Faustballs� zum Protest gegen den DTB auf und fordert die Gründung eines eigenen Verbandes. Hast du davon schon gehört?
Ja, selbstverständlich. Also ganz ehrlich, ich bekomme immer noch alles sehr genau mit. Zum Glück gibt es ja das Internet. Aber auch so habe ich meine Quellen. Der Schatten des Martin Becker reicht schon noch weit. Prinzipiell finde ich die Aktion gut. Aber ich kann auch den Zorn des DTB verstehen, der dann gleich 40.000 Faustballer verlieren würde. Eigentlich hatte sich die Deutsche Faustball-Liga klar positioniert. Eigentlich. Aber offenbar stockt es. Es sind offenbar nicht alle Sachen klar und offen kommuniziert wurden, wobei wir beim Hauptproblem im Faustball sind. Wenn der DTB an die DFBL herantritt, dann muss die DFBL alle, alle Faustballer darüber informieren, wenn sie alle Faustballer dafür gewinnen will. Das passiert aber nicht. Es müssten hunderte Handzettel und Dokumente auf allen möglichen Wegen im Internet oder sonst wie verteilt werden, damit endlich alle wissen woran sie sind. Jetzt ist die Frage, ob die Situation eskaliert. Der beste Weg wäre aber die Stunde Null. Wir müssten komplett bei Null anfangen und etwas Neues schaffen. Dafür brauchen wir auch die richtigen Leute. Nur hundert Prozent zählt, sonst nichts.

Was ist das Hauptproblem?
Wir haben doch die Entwicklung eindeutig verpennt. Seit 15 Jahren rennen wir hinterher. Im sportlichen Bereich gibt es zumindest beim Nachwuchs es erste Lichtblicke. Doch das große und seit Jahren bestimmende Problem ist, dass alle nicht miteinander reden. Es werden Informationen zurückgehalten oder aber rausgegeben, ohne sich dabei über die Konsequenzen bewusst zu werden. Keiner macht sich Gedanken passiert und was womit bewirkt werden kann. Nehmen wir nur das Beispiel mit der Kaderliste für die World Games. Ein, zwei ergänzende Informationen an die richtigen Leute hätten jegliches Durcheinander verhindern können.

Stichwort World Games: Wie schätzen Sie die Chancen des deutschen Teams ein?
Wenn sich unsere Jungs noch etwas steigern und nervlich dem Druck standhalten, halte ich den dritten Platz für machbar. Denn hätten sie ja eines der großen Teams geschlagen. In unserem Team fehlt ein richtiger Häuptling, so einer wie Harry Pühringer in Österreich, der sein Team mitreißt uns antreibt. Soweit sind wir noch nicht. Aber der Weg geht schon in die richtige Richtung. Das Team wächst. Ich will auch weiterhin gern im Bereich Angriff mit meinen Erfahrungen dazu beitragen, dass wir zur WM 2011 einen großen Schritt nach vor gemacht haben.

Danke für das Gespräch und alles gute für die Zukunft.
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